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Das Projekt Smart Stamping
Der deutsche Werkzeug- und Formenbau steht aktuell vor großen Herausforderung: Durch die wachsende Konkurrenz aus Niedriglohnländern und den Markteintritt interner Werkzeugbauer, die bis vor wenigen Jahren ausschließlich das eigene Unternehmen beliefert haben, ist ein zunehmender Verdrängungswettbewerb in Gang gesetzt worden. Die Folgen sind massive Überkapazitäten und ein Preiskampf, der sich durch die personalintensiven Strukturen der Branche für deutsche Anbieter ruinös auswirkt.
Um in diesem Umfeld zu bestehen, muss sich der deutsche Werkzeug- und Formenbau seiner exponierten Rolle als Bindeglied zwischen Produktentwicklung und Produktion bewusst werden und vermehrt als Dienstleister für seine Kunden auftreten. Durch Serviceangebote, wie z.B. der Unterstützung beim Anlauf neuer Prozesse oder einer bedarfsgerechten Instandhaltung, wird der Kundennutzen direkt adressiert, gleichzeitig werden neue Marktfelder erschlossen. Die zu erwartenden Umsatz- und Renditezahlen in diesem Bereich sind so hoch, dass eine Quersubventionierung des Einstandspreises der Werkzeuge denkbar ist. Über Zustandsinformationen von Presse und Werkzeug lassen sich detaillierte Lebenszykluskosten aufstellen, die den Nutzen der Serviceangebote und die hohe Qualität der Produkte belegen.
Im Rahmen des im Juli diesen Jahres gestarteten Verbundprojektes SMART STAMPING werden die technologischen und organisatorischen Grundlagen für derartige Angebote am Beispiel des Tiefziehprozesses geschaffen. Im Fokus steht dabei die nachweisbare Erhöhung der Verfügbarkeiten des Gesamtsystems aus Presse und Werkzeug. Erreicht wird dies durch messtechnische Ansätze zur zustandsorientierten Pressen- und Werkzeugwartung, neue Servicemodelle zur Optimierung von Instandhaltung und Ersatzteilmanagement sowie durch den Aufbau von Geschäftsmodellen, die erstmals den Verkauf von Produktivität und Verfügbarkeit ermöglichen werden. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen seines Programms „Forschung für die Produktion von morgen“ gefördert. Für die Durchführung des Projektes haben sich mit der Audi AG, der Dr. Ing. K. Brankamp System Prozessautomation GmbH, der Dieffenbacher GmbH & Co. KG, der Wilhelm Manz GmbH & Co. KG sowie dem Werkzeugmaschinenlabor der RWTH Aachen hochkarätige Vertreter der Branche zusammengeschlossen, um die Zukunft des Werkzeug- und Formenbaus in Deutschland zu sichern. Begleitet wird das Projekt vom VDMA, der als größter europäischer Verband der Investitionsgüterindustrie die Interessen seiner Mitglieder aktiv mit einbringen wird.
Gemeinsame Abschluss- veranstaltung der BMBF-Verbundprojekte zum Themenkreis